Gegen Konsenstheorien

Konsens wird überschätzt. Dass bei jeder Diskussion irgendwas im Hintergrund steht, das nicht diskutiert, sondern vorausgesetzt wird (das kann man Konsens nennen), ist eine Trivialität. Daraus zu folgern, dass sich Diskussionen insgesamt um gar nichts anderes drehen als nur darum, diesen Konsens zu erweitern, ist aber ein Non sequitur. Hinter diesem Fehlschluss steht m.E. eine Denkweise, die ich diskurstheoretischen Nihilismus nennen möchte. Der Begriff soll dabei ein Sammelname für Positionen sein, die davon ausgehen, dass es letztlich das Ziel von Diskussionen ist, sich selbst überflüssig zu machen – wenn das Ziel der Wahrheit (ob man diese nun als Korrespondenz mit einem Objekt oder als Konsens unter den Diskursteilnehmern fasst) erreicht ist, soll die Diskussion aufhören. Klassische Korrespondenztheorien und Konsenstheorien sind sich letztlich in dieser Prämisse einig, und damit auch in dem Projekt, die Rolle, die der Dissenz bei der Wahrheitsfindung spielt, zu nivellieren. Die Strategien sind nur jeweils verschieden. Man kommt womöglich zu anderen Auffassungen, wenn man Wahrheit nicht bloß als Ergebnis, sondern allgemeiner als Effekt von Diskursen auffasst, also als etwas, das ohne fortlaufende diskursive Auseinandersetzung nicht stattfindet. Der Versuch, eine Dissenztheorie der Wahrheit zu formulieren, also eine Wahrheitstheorie, die nicht in einem diskurstheoretischen Nihilismus gründet, ist eines der Projekte, die ich mir für die (fernere) Zukunft vorgenommen habe.

Anlass: http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=1943884#1943884

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Physik und Ontologie

Wenn sich aus empirisch gut geprüften Theorien der Physik die Aussage ableiten lässt, dass unser Hinschauen oder Wegschauen keine physikalische Wirkung auf die Sonne hat, oder jedenfalls keine so nennenswerte, dass die Sonne dadurch irgendwie verschwinden und beim Hinsehen wieder auftauchen würde, dann ist das in der Tat ein Beitrag zu der Frage, ob die Sonne auch noch da ist, wenn wir nicht hinsehen. Diese Aussage lässt sich vielleicht nicht unmittelbar überprüfen wie andere Voraussagen – weil wir eben in dem Moment wegsehen wollen. Man kann hier aber anhand dessen, was wir gut bestätigt wissen, womöglich äußerst starke Plausibilitätskriterien geltend machen. Erstens lässt sich die Aussage, nach der die Sonne auch unbeobachtet weiterexistiert, wie gesagt womöglich aus gut bestätigten und abgesicherten physikalischen Theorien ableiten. Zweitens kann man diese Vermutung auch indirekt überprüfen, indem man im Nachhinein überprüft, ob die Sonne sich irgendwie auf andere Gegenstände ausgewirkt hat, während man weggesehen hat. Wenn man solche Einflüsse feststellt, spricht auch das wieder sehr dafür, dass die Sonne nicht verschwunden ist, nur weil man sie gerade nicht beobachtet hat.
http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=1905038#1905038

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Philosophie und Pluralismus

Dass es in der Philosophie sehr verschiedene Begrifflichkeiten und Positionen gibt, hat damit zu tun, dass sich die Philosophie in wesentlichen Punkten von den Naturwissenschaften, aber auch von den Gesellschaftswissenschaften und auch von der Theologie unterscheidet. Zum einen ist sie doch ein ganzes Stück älter als die Naturwissenschaften in ihrer modernen Form, was natürlich eine größere Vielfalt an Ansätzen erzeugt. Ein zweiter wichtiger Unterschied ist, dass in den Naturwissenschaften widerlegte Theorien beiseite gelegt und an die Wissenschaftshistorik übergeben werden, jedenfalls solange sie nicht noch nützliche Anwendungen unter Alltagsbedingungen haben, während in der Philosophie auch Ansätze, die als widerlegt gelten, dennoch als nach wie vor bewahrenswert und studierenswert angesehen werden. Das beste Beispiel ist Plato: Wirklich niemand denkt und philosophiert heute mehr so wie Plato, und dennoch kommt man als Philosoph nicht um ihn herum. Diese Pluralität von Ansätzen findet sich weder in den Naturwissenschaften, in denen man auf eine möglichst einheitliche Lehrmeinung abzielt, indem man widerlegte Theorien eben beiseite legt, noch in der Theologie, die sowieso nur der ideologische Steigbügelhalter für die Lehrmeinungen der beiden großen Kirchen ist, noch in der Juristik, die im Grunde für den Staat etwas ähnliches ist wie die Theologie für die Kirchen, und letztlich auch nicht in den Gesellschaftswissenschaften. Mindestens in dem Sinne ist die Philosophie tatsächlich politisch: Die Philosophie ist der Ort, an dem eine pluralistische Gesellschaft sich selbst innerhalb ihres universitären und akademischen Systems verwirklicht. Gleichzeitig stellt sie auch sowas wie ein kulturelles Gedächtnis dar, das die Ideen der Menschheit bewahrt und immer neu auswertet, wo andere sie bereits vergessen haben.

http://freigeisterhaus.de/viewtopic.php?p=1906000#1906000

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Unvorteilhafte Namenswahl…

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A Song of Ice and Fire: Varys als Schüler Michel Foucaults

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The Doctor’s Discourses

…und nochmal Lacan.

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A Game of Thrones: Lacans vier Diskurse

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